Curriculum

für den Erwerb der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ nach der Weiterbildungsordnung für Ärztinnen und Ärzte in Hessen vom 01.11.2005. Es gilt für diejenigen Ärztinnen und Ärzte, die nach dem 01.11.2005 anrechnungsfähig mit der Weiterbildung im Bereich „Psychotherapie“ begonnen haben.

A. Voraussetzung

für die Weiterbildung ist die Approbation oder bei abgeschlossener Berufsausbildung die Erteilung der Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen oder psychologischen Berufes. Empfohlen wird, die theoretische Weiterbildung erst 1 ½ Jahre nach der Erteilung der Approbation zu beginnen, um die praktische Erfahrung der Therapeut/Patient-Beziehung besser mit den Inhalten der Weiterbildung verbinden zu können.

B. Dauer der Weiterbildung

1. Der psychodynamisch orientierte Zusatztitel Psychotherapie ist fachgebunden und orientiert sich an den Vorgaben der LÄK Hessen.

2. Die Weiterbildung im fachbezogenen Zusatztitel Psychotherapie ist integraler Bestandteil des Facharztes für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie und -psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Die Weiterbildung ist berufsbegleitend und nicht mehr zeitgebunden. Zu erfüllen ist der Weiterbildungskatalog im theoretischen Bereich mit mindestens 100 Stunden sowie im praktischen Bereich von 120 Stunden.

C. Weiterbildungsinhalte

Selbsterfahrung und Balintgruppe:

Selbsterfahrung, Balintgruppe, Erstinterview und Fallsupervision können in der Regel nur bei Dozenten der Arbeitsgemeinschaft absolviert werden (siehe Liste der Arbeitsgemeinschaft). Selbsterfahrung und Supervision darf nicht bei demselben Lehrtherapeuten durchgeführt werden.

Die Selbsterfahrung besteht in Einzelselbsterfahrung.

Eine Mindeststundenzahl von 75 Stunden ist von der LÄK Hessen minimalst gefordert, wir empfehlen jedoch eine Selbsterfahrung von 120 Stunden, sie darf nicht fraktioniert durchgeführt werden und muss 1-2 Mal in der Woche stattfinden. Die Selbsterfahrung ist ein Teil der Weiterbildung und kann nicht als Behandlung als Kassenleistung anerkannt werden. Sie soll mindestens teilweise die Weiterbildung begleiten und vor dem Besuch der theoretischen Seminare begonnen haben, wünschenswert ist, dass sie noch in den praktischen Teil hineinreicht.

Alternativ besteht die Möglichkeit die Selbsterfahrung in Gruppen abzuleisten. Hierbei sind laut Weiterbildungsordnung der LÄK Hessen 50 Doppelstunden zu absolvieren. Wir raten jedoch von der alleinigen Gruppenselbsterfahrung ab, da sie nicht dem Setting der späteren Berufsausübung entspricht. Sollte jedoch wegen äußerer zwingender Gründe die Einzelselbsterfahrung nicht möglich sein, so werden abweichend von der Weiterbildungsordnung 80 Doppelstunden gefordert.

Die Balintgruppe umfasst mindestens 20 Doppelstunden. Die Teilnahme soll kontinuierlich erfolgen und muss von einem anerkannten Balint-Gruppenleiter durchgeführt werden.

Theoretische Inhalte:

  • 1. Entwicklungspsychologie und Persönlichkeitslehre 24 Stunden
  • 2. Psychopharmakologie 4 Stunden
  • 3. Allgemeine und spezielle Neurosenlehre 20 Stunden
    • 3.1 Psychologie des Unbewussten
    • 3.2 Topografisches Modell
    • 3.3 Strukturtheorie
    • 3.4 Abwehr und Widerstand
    • 3.5 Ödipus-Komplex
    • 3.6 Psychischer Konflikt
    • 3.7 Psychologie des Selbst und der Objektbeziehungen
    • 3.8 Indikation und Methodik der psychotherapeutischen Verfahren
  • 4. Tiefenpsychologie 24 Stunden
  • 5. Lernpsychologie 8 Stunden
    • Lerntheoretische Konzepte in der Psychotherapie
  • 6. Psychodynamik der Familie und Gruppe 4 Stunden
  • 7. Psychopathologie (Persönlichkeitsstörungen und Psychosen) 20 Stunden
    • 7.1 Narzißtische Störungen (Theorie und Klinik des Narzißmus)
    • 7.2 Borderline-Störungen
    • 7.3 Depression (reaktive, neurotische, endogene)
    • 7.4 Schizophrene Psychose
    • 7.5 Familie und Gruppe, ihr Einfluss auf die Entwicklung und Interaktion der Persönlichkeitsstörungen und Psychosen
    • 7.6 Übertragung und Gegenübertragung
  • 8. Grundlagen der psychosomatischen Krankheitsbilder 20 Stunden
    • 8.1 Modellvorstellungen in der Psychosomatik
    • 8.2 Spezielle psychosomatische Krankheitsbilder
    • 8.3 Familie und Gruppe, ihr Einfluss auf die Entwicklung und Interaktion der psychosomatischen Störungen
    • 8.4 Übertragung und Gegenübertragung
  • 9. Grundlagen psychiatrischer Krankheitsbilder und spezifische Psychopathologie 8 Stunden
  • Einführung in die Technik der Erstuntersuchung 10 Stunden
  • 10.1 Theoretische Grundlagen des Behandlungssetting, Übertragung/ Gegenübertragung, Wiederholungszwang, Widerstand, Grundregel, Regression, Abstinenz, Arbeitsbündnis etc., einschl. der für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie notwendigen Modifikationen
  • 11. Psychodiagnostische Testverfahren 4 Stunden

Im praktischen Teil der Weiterbildung sind nachstehende Inhalte zu erfüllen:

1. Erstinterviewseminar:

Im 2. Semester kann mit dem Erstinterviewseminar begonnen werden. Technik der Erstuntersuchung, einschließlich Methode und Indikation für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Die Supervision des Erstinterviews kann in Kleingruppen von 2-5 Teilnehmern erfolgen. 10 selbst durchgeführte und dokumentierte Erstinterviews sind Pflicht.

2. Durchführung von Behandlungen unter Supervision

Schon im Verlauf des Erstinterview-Seminars kann damit begonnen werden. Es sind 3 tiefenpsychologisch fundierte Einzelbehandlungen mit 1 Wochenstunde und einem Umfang von insgesamt 120 Stunden und Supervision nach jeder 4. Behandlungsstunde vorgeschrieben. 2 Behandlungsfälle müssen mindestens über 50 Sitzungen laufen, der 3. Fall kann dann z.B. eine Kurzzeittherapie von 20 Sitzungen oder eine dynamische Psychotherapie mit 10 Sitzungen sein. Mindestens ein Behandlungsfall muß in der Gruppe (4 Teilnehmer) supervidiert werden. Fälle, die eine häufigere Supervision erfordern, sollen in Einzelsupervision mit dichterer Frequenz, nach jeder 2. Stunde z.B., behandelt werden. 1 Fall soll von einem anderen zweiten Lehrtherapeuten supervidiert werden. Bei mindestens zwei der drei Fälle muss es sich um einen erwachsenen Patienten handeln.

3. Entspannungsverfahren – 16 Stunden –

Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, konzentrative Bewegungstherapie oder Hypnose. Auch hier sollen die Anwendungsmöglichkeiten in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, nicht die besondere Methodik des jeweiligen Verfahrens vermittelt und gelernt werden. Eine Liste der Dozenten für das Entspannungsverfahren kann bei der AGPT angefordert werden. Die Anmeldung erfolgt am besten in kleinen Gruppen bei dem jeweiligen Dozenten.

4. Balintgruppe

5. Selbsterfahrung

6. Fallseminar - 15 Stunden -

Das Fallseminar kann in die Gruppensupervision der Erstinterviewseminare integriert werden.

D. Abschluß der Weiterbildung

Zum Abschlußkolloquium kann sich der Weiterbildungsteilnehmer anmelden mit der schriftlichen Darstellung (maximal 20 Schreibmaschinenseiten) einer unter Supervision durchgeführten Behandlung von mindestens 50 Behandlungsstunden. In dem mündlichen Kolloquium wird dieser Bericht sowie eine Behandlungsstunde diskutiert. Alle Mitglieder der Kommission entscheiden über die Empfehlung der Vergabe der Zusatzbezeichnung durch die Landesärztekammer.

E. Organisatorisches, Rückmeldung, Zahlungsmodalitäten, Nachweis:

Die Kandidaten erhalten vor Beginn des Semesters das Vorle­sungsverzeichnis mit Rückmeldebogen, in dem sie die Belegung für das Semester verbindlich vornehmen. Die Belegung ist erst dann gültig, wenn die Semestergebühren bezahlt worden sind. Jeweils am Ende des Semesters wird die Teilnahme an den Seminaren von dem Dozenten im Studienbuch bescheinigt. Hierfür ist erforderlich: Nachweis über den Besuch der Veranstaltung, mindestens 3/4 der Unterrichtseinheiten, anhand der von dem Dozenten geführten Liste.


Frankfurt am Main, im Juni 2006